Home > Archiv > AusnahmeZustand 2013

Druckversion Inhaltsverzeichnis E-Mail Formular

Aktuelles

 

 

 

 


 

 

 

 

AusnahmeZustand 2013

Ausnahmezustand 2013

 „Wer, wenn nicht wir selbst!“ lautet das diesjährige Motto der 4. Auflage der Filmreihe zu Psychischen Erkrankungen im LEOKINO, das wie immer in Kooperation mit der sozialpsychiatrischen Einrichtung start pro mente stattfindet.
Das heurige Motto greift auf, was aus Sicht der Selbsthilfe psychisch Erkrankter den Kern eines hilfreichen Umgangs mit eigener psychischer Erkrankung ausmacht: Nicht be-handelt werden, sondern selbst Handelnder sein.
Damit ist nicht ein Ansatz gemeint, der sich grundsätzlich gegen die Unterstützung durch Fachleute und Angehörige wendet. Dieser Ansatz bezieht sich auf die Wertschätzung und Anwendung des selbst erworbenen  Erfahrungswissens von Menschen mit psychischer Erkrankung, und spart dabei die Reflexion sozialer Umstände und eigener lebensgeschichtlicher Anteile nicht aus.
Dieses selbstverständliche Mitgestalten von Hilfeleistungen durch Psychosekranke und das auch über schwierige Phasen einer Erkrankung hinweg im gemeinsamen Dialog bleiben, ist die Zukunft und wünschenswert baldige Gegenwart unseres Umgangs mit psychischer Erkrankung.

Di 5.11. 18.30 Uhr LEOKINO 1
KOPFSTAND

KopfstandSeine Absicht, einen Dokumentarfilm über die Psychiatrie in Steinhof und Franco Basaglia und dessen italienisches Projekt einer «offenen Psychiatrie» zu drehen, änderte der Regisseur Ernst Josef Lauscher zugunsten seines Spielfilms KOPFSTAND: Darin nimmt über ein Missverständnis, eine Kurzschlusshandlung - Unheilvolles seinen Anfang. „Wie einer rein zufällig mit dem Leben davon kam“ – ist der genaue Untertitel dieses in mehrfacher Weise außergewöhnlichen Films, der sich nicht damit zufrieden gibt, den jungen Protagonisten der plötzlich in der Psychiatrie landet, als Opfer der Umstände zu zeigen. In der Hauptrolle  besetzte Regisseur Ernst Josef Lauer den damals kaum bekannten Christoph Waltz. «Für mich war er der einzige, der diese Rolle spielen konnte: ein junger, ganz sperriger Typ, hochintelligent, der immer wissen wollte, wie und warum. Ich glaube, das ist bis heute über alle Rollen gleich geblieben.» Ein Film, nicht nur für Liebhaber von Christoph Waltz.
Österreich 1981; Regie & Buch: Ernst Josef Lauscher; Kamera: Toni Peschke; Musik: Karl Ratzer; DarstellerInnen: Christoph Waltz, Ingrid Burkhard, Bert Breit, Elisabeth Epp, Pavel Landovsky, Alfred Solm, Krista Posch, Heinz Petters u.a.; (35mm; Schwarzweiß; 102min).
Im Anschluss: Gespräch mit Patricia Gerstgrasser (Patientenanwältin VertretungsNetz), N.N.

Mi 6.11. 18.30 Uhr LEOKINO 1
SCHNUPFEN IM KOPF

Schnupfen im KopfIm Alter von 30 Jahren erhielt die Filmemacherin und Autorin Gamma Bak nach einem psychischen Zusammenbruch, die für ihr Leben weitreichende Diagnose: Psychose. Über acht Jahre hinweg, begann sie dann mit aufgezeichneten Gesprächen, Selbstinterviews, Videobriefen von Verwandten und Freunden, sowie Ausschnitten aus eigenen früheren Kurzfilmen, sich filmisch mutig mit ihrer Erkrankung auseinanderzusetzen. Sie schildert ihre Symptome, ihre Erfahrungen mit der medizinischen Behandlung und deren Auswirkungen, ihr Ringen um ihr Leben und gegen die, mit der Erkrankung verbundene, Stigmatisierung. Und wie Gamma Bak selbst dennoch sagt „zeigt der Film, dass ein angenehmeres, wie auch lebenswertes Leben doch möglich ist, trotz der Einschränkungen mit den Medikamenten, trotz der Einschränkung durch die Krisen“. Ein überaus sehenswerter Film, der übrigens bei der Berlinale  großen Publikumszuspruch erhielt und uns allen hilft, die Welt und die Probleme von psychotisch Erkrankten besser zu verstehen und den gesellschaftlichen Umgang damit zu hinterfragen.
Deutschland/Ungarn 2010; Regie & Buch: Gamma Bak; Kamera: Ulrike Solbrig, Volker Langhoff, Christopher Rowe, Jancso Nyika, Neil Thompson; Schnitt: Szilvia Ruszev; Mitwirkende: Gamma Bak, Janos M. Bak, Polly M Bak, Bak Zsófia, Friedhelm Bartscht, Jackie Crossland, Adele Eisenstein, Kristin Günther, Wiebke Müller, Alexandra Pätzold, Karsten Piel, Surányi András, Dieter Vervuurt u.a.; (DCP; Farbe; 92min; deutsch-englisch-ungarische ORIGINALFASSUNG MIT DEUTSCHEN UNTERTITELN).
Im Anschluss: Gespräch mit Alexander Hofer (Psychosensprechstunde, Univ. Klinik Psychiatrie), VertreterIn Selbsthilfe Sprachrohr, Maria Fischer (HPE, Angehörigenorganisation)

D0 7.11. 18.30 Uhr LEOKINO 1
ÜBER DEN BERG

Über den BergDie Idee: Mit Drogensüchtigen über die Alpen zu gehen. Die Tour durchs Hochgebirge, schon für normale Wanderer eine Herausforderung, scheint für Süchtige eine kaum zu schaffende Expedition zu sein. Denn diese Wanderer waren heroinsüchtig und sind erst seit ein paar Monaten von der Nadel weg, aber ihre Körper sind von den Drogen ausgelaugt und krank. Diese Fünf laufen wie um ihr Leben, nicht nur gegen ihren inneren Schweinehund und gegen die Höhenangst. Sie wissen: Dies ist ihre vielleicht letzte Chance zu zeigen, dass sie die Kraft haben, von der Droge loszukommen. So schinden sie sich über die Berge in den Alpen und die Berge in ihrem Inneren. Unter der Leitung von Norbert Wittmann von der mudra-Drogenhilfe ging mit dem Projekt ein Traum in Erfüllung. Er und sein Team waren immer  davon überzeugt, dass niemand so sehr für Drogenabhängige sprechen kann, als die Betroffenen selbst. Aus dem bildgewaltigen Rohmaterial entstand dabei eine intensive Begegnung des Zuschauers mit Drogenabhängigen. Den Protagonisten des Films gelingt es so, Brücken zu schlagen und eine tiefe und berührende Begegnung zu einer abgestempelten und marginalisierten Randgruppe unserer Gesellschaft zu ermöglichen.
Eine Reise durch die Abgründe der Suchtkrankheit, ausgezeichnet mit dem Publikumspreis des Tegernseer Bergfilmfestivals 2010.
Deutschland 2010; Regie & Buch: Jan Kerckhoff; Kamera: Michael Böttcher & Krischan Dietmaier; Schnitt: Anya Schulz; Sprecher: Axel Wostry; Musik: die.hammerling; Mitwirkende: Norbert Wittmann, Tania, Conny, Stefan, Christian, Manni u.a.; (DCP; 16:9; Farbe; 94min).
Im Anschluss: Gespräch mit Norbert Wittmann (mudra-Drogenhilfe/Filmteil­nehmer), Astrid Gostner (Intensivprojekte mit Jugendlichen im In- und Ausland), Christian Wanko (Alm-Intensivprojekt für Jugendliche)

Mi 6.11. 10.00 - ca. 12.30 Uhr LEOKINO 1
Diskussionsveranstaltung ‚trialogisch‘: „Genesungsorientierte Psychiatrie: Schritte auf dem Weg in die Zukunft?“

Nach einem Filmimpuls („Wer, wenn nicht wir? Erfahrene verändern die Psychiatrie“ – über das europäische Ex-In-Projekt) werden Betroffene, Angehörige und Professionelle / Fachleute miteinander über Positionen zu einer Weiterentwicklung der Psychiatrie diskutieren.  
Anmeldung unter: office@verein-start.at oder Tel. 0512 – 58 44 65